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Start of the interview series for the Circular Economy at K 2019

Vom 16. bis 23. Oktober findet die K 2019 in Düsseldorf statt.Der VDMA stellt die Kreislaufwirtschaft in den Mittelpunkt seines Messeauftritts.Warum er das tut und welche Bedeutung die „Circular Economy“ für Mitgliedsunternehmen des Fachverbandes Kunststoff- und Gummimaschinen hat, beleuchten wir in unserer Interviewserie.In den ersten Beiträgen äußern sich Ulrich Reifenhäuser als Vorstandsvorsitzender und Thorsten Kühmann als Geschäftsführer des Fachverbandes.
Interview mit Ulrich Reifenhäuser, CSO der Reifenhäuser Gruppe

„Kunststoffmüll ist ein gesamtgesellschaftliches Problem“

Die Menge der Kunststoffabfälle weltweit wächst stetig. Wenn wir mit Ressourcen nachhaltig umgehen wollen, müssen wir dem Abfall einen Wert geben und ihn verwerten und nicht deponieren, wie in vielen Ländern der Welt noch üblich. Es braucht einen umfassenden Bewusstseinswandel in den Gesellschaften, ist Ulrich Reifenhäuser überzeugt. Hier ist die Aufklärung der Endverbraucher ebenso wichtig wie der politische Rahmen. Der Maschinenbau unterstützt mit ressourceneffizienter Produktion und Recyclingtechnologien, aber auch den Brand-Ownern kommt eine Schlüsselstellung zu, wenn es darum geht, die Akzeptanz für Produkte aus Rezyklat zu fördern.

Warum ist Kreislaufwirtschaft für Kunststoffe wichtig?

Ulrich Reifenhäuser: Das Thema Kunststoffabfall hat an Wichtigkeit zugenommen, weil es immer mehr Müll gibt. Das liegt an der steigenden Weltbevölkerung ebenso wie an dem zunehmenden Wohlstand in vielen Schwellenländern. Vor allem im asiatischen Raum wachsen die Müllberge. Auch in Europa haben wir da Probleme. In Skandinavien, den Niederlanden, Deutschland, Österreich und der Schweiz ist die Verwertungsquote zwar hervorragend. In den mediterranen Ländern ist sie dagegen eher schlecht. Die Kunststoffwelt muss sich deshalb verändern. Die Überlegungen dazu sind im Gange, aber in der Abfallwelt ist dies noch nicht spürbar.

Woran liegt das?

Ulrich Reifenhäuser: Das ist ein sehr komplexes und vielschichtiges Problem. Es ist schon paradox. Kunststoff ist ein ideales Material für viele Anwendungen. Er ist leicht, einfach zu verarbeiten, relativ günstig und in ausreichenden Mengen verfügbar. Wegen dieser Vorteile nimmt seine Bedeutung im Wettbewerb mit anderen Materialien stetig zu. Das ist gut. Auf der anderen Seite wird Kunststoff nach der Verwendung meist nicht richtig behandelt. Er wird nicht gesammelt, sondern weggeschmissen. Das ist schlecht, und das ist das eigentliche, große Problem. 

Wie ändert man das Verhalten von ganzen Nationen von Verbrauchern?

Ulrich Reifenhäuser: Indem man aufklärt und indem man an die Verantwortung der Verbraucher appelliert. Das geht außerdem über Gesetze. Ganz wichtig ist es, dass man dem Kunststoffabfall einen Wert beimisst. Das muss politisch organisiert werden. Der beste Ansatz hier sind Recycling-Quoten für neue Kunststoffprodukte. Wenn es Quoten gibt, brauchen die Kunststoffverarbeiter auf einmal Recyclingmaterial. Da wird sich ein Markt auftun. Es kann dann durchaus sein, dass gutes Recyclingmaterial doppelt so viel kostet wie Neuware. Die Verdoppelung im Preis macht dem Kunststoffprodukt nichts aus, denn es ist in seinen Eigenschaften anderen Materialien wie Glas, Metall oder Papier weit überlegen.

Aber die Endverbraucher schauen doch auf jeden Cent.

Ulrich Reifenhäuser: Das ist richtig, aber das hört auf, wenn wir einen Gesetzgeber haben, der vorschreibt, dass alle Kunststoffprodukte 30 Prozent Recyclingmaterial brauchen. Dann sind die Voraussetzungen für alle gleich. Es braucht dann vielleicht drei Jahre bis man bei uns in Europa und auch in Deutschland auf einmal eine ganz andere Recyclingindustrie hat.

Es geht also nicht ohne politische Vorgaben?

Ulrich Reifenhäuser: Die Politik ist nötig, weil wir es beim Kunststoffabfall mit einem gesamtgesellschaftlichen Problem zu tun haben. Eine Gruppe allein kann da nicht viel ausrichten. Es geht um ein Bewusstsein, den Dreck nicht einfach wegzuschmeißen.

Was kann der Maschinenbau tun?

Ulrich Reifenhäuser: Der Maschinenbau kann den Prozess der nachhaltigen Kunststoffwirtschaft unterstützen. Als Hersteller von Maschinen zur Verarbeitung von Kunststoffen entwickeln wir Ressourcen schonende Prozesse, die es erlauben, den Einsatz von Kunststoff zu reduzieren. Zum Beispiel durch dünnere Folien, die dieselben Schutzeigenschaften haben wie dickere. Gleichzeitig entwickeln wir Maschinen, die absolut abfallfrei produzieren. Der gesamte Abfall in der Produktion wird sofort wieder recycelt. Dies alles betrifft die Produktion.  Auf der Seite der Verwendung stellt der Maschinenbau alle Technologien bereit, die ein Recycling von Kunststoffabfällen ermöglichen.

Mancher Kunststoffabfall lässt sich schlecht recyceln. Was sollte man tun?

Ulrich Reifenhäuser: Die Recyclingfähigkeit muss von Anfang an mitgedacht werden. Schon beim Produktdesign. Heute werden verschiedene Materialien in einem Produkt oft ohne wirkliche Notwendigkeit eingebracht. Das schränkt die Recyclingfähigkeit ein. Einzelne Kunststoffe vertragen sich beim Recycling nun einmal nicht miteinander. Es ist nämlich nicht so, dass man aus unterschiedlichen Kunststoffen immer problemlos einen neuen, brauchbaren machen könnte. Zur Weiterentwicklung der Recyclingfähigkeit ist die Chemieindustrie gefragt, aber es müssen oft auch die Anforderungen an ein Kunststoffprodukt zurückgenommen werden. Ein Beispiel: Heute werden in den Folien zur Verpackung von Käse Sperrschichten eingebaut, die dessen Haltbarkeit verlängern. Die Sperrschichten sind extrem schwer zu trennen und damit zu recyceln. Verringerte man die Sperrschichten unter fünf Prozent, verringerte sich gegebenenfalls auch die Haltbarkeit, aber die Folien könnten viel leichter recycelt werden. Es stellt sich ohnehin die Frage, ob ein Käse mehrere Wochen oder sogar Monate haltbar sein muss.

Sind da die Kunststoffverwender in der Pflicht?

Ulrich Reifenhäuser: Die Brand-Owner müssen vorgeben, dass bestimmte Kunststoffprodukte nur für gewisse Anwendungen genutzt werden dürfen. Das passiert heute schon, aber es dauert eine Weile, bis das dann durchgesetzt wird. Der Maschinenbau ist jedenfalls nicht der Engpass. Oft sind es auch gesetzliche Vorgaben, die den Einsatz von Rezyklaten heute noch behindern.

Die Länder Skandinaviens gehen einen anderen Weg. Sie setzen auf Verbrennung der Kunststoffabfälle.

Ulrich Reifenhäuser: Verbrennung ist eine sehr gute Sekundärnutzung. In Nordeuropa gibt es schon lange keine Deponien mehr. Dort setzt man sehr stark auf die Müllverbrennung. Um Müll, und hierbei geht es um den gesamten nicht recycelbaren Hausmüll, zu verbrennen und gleichzeitig Energie aus dem Verbrennungsprozess zu gewinnen, braucht man Brennmittel. Wenn man die Brenntemperaturen mit gebrauchtem Kunststoff erreicht, hat man damit zwei Vorteile. Erstens nutzt man den Kunststoff zum zweiten Mal, auch und vor allem den, der nicht recycelbar ist. Zweitens kann man die Energie aus dem Verbrennungsprozess weiter nutzen, etwa für industrielle Prozesse. Die Verbrennung ist übrigens auch dann besonders gut, wenn man das Abfallproblem schnell angehen will, etwa in Schwellenländern, wo Kunststoffabfälle bislang noch gar nicht verwertet werden.

Wie löst man das Problem des Kunststoffmülls am besten?

Ulrich Reifenhäuser: Es gibt nicht den goldenen Weg, man muss verschiedene Wege gehen. Wir brauchen veränderte Kunststoffe, wir brauchen veränderte Produkte. Aber vor allem müssen die Menschen Verantwortung lernen. Sie müssen erkennen, dass sie Kunststoffe nicht wegwerfen sollen, sondern dafür sorgen müssen, dass er richtig weiterverwendet wird. Hier muss aufgeklärt werden, durch die Politik, in der Schule, an den Hochschulen. Es braucht zum Beispiel viel mehr Lehrstühle für Recyclingwirtschaft.

Interview mit Thorsten Kühmann, Geschäftsführer des VDMA Fachverbands Kunststoff- und Gummimaschinen.

„Geschlossene Kreisläufe können das Müllproblem lösen“

Thorsten Kühmann ist überzeugt, dass die Kunststoffindustrie Lösungen bieten kann, die helfen, die durch Kunststoffabfälle erzeugten Umweltprobleme zu beseitigen. Das Leitbild ist die Kreislaufwirtschaft oder Circular Economy. Die globalen Herausforderungen hier sind Wirtschaftlichkeit, politische und regulative Randbedingungen, Qualität und Verfügbarkeit von Rezyklaten und besonders das Etablieren funktionierender Abfallsammelsysteme weltweit. Der VDMA stellt die Kreislaufwirtschaft auf der Leitmesse K im Oktober in Düsseldorf in den Vordergrund und zeigt dort, wie ein solcher Kreislauf funktionieren kann.

Der VDMA stellt die Kreislaufwirtschaft in den Mittelpunkt seines Messeauftrittes auf der K 2019. Warum macht er das?

Thorsten Kühmann: Wir machen das, weil wir erkennen, dass wir bei Kunststoffen vor einem Imageproblem stehen. Kunststoffe kommen heute meist nur dann ins öffentliche Bewusstsein, wenn sie Probleme verursachen, wenn sie die Umwelt belasten oder die Gesundheit gefährden. Bilder und Berichte von der Vermüllung der Meere und der Landschaften sind allgegenwärtig. Das sind in der Tat gravierende Probleme. Hier muss die Industrie Lösungen anbieten. Wir wollen auf der K 2019 zeigen, was man machen muss, um diese Abfallprobleme und die daraus resultierenden Schäden zu vermeiden. Wir werden zeigen, dass geschlossene Kreisläufe eine Lösungsmöglichkeit sind.

Was kann der Besucher auf der K 2019 sehen?

Thorsten Kühmann: Wir verfolgen zwei Ziele. In unserem Messe-Pavillon werden wir zum einen den gesamten Zyklus der Kreislaufwirtschaft in der Kunststoffindustrie darstellen, angefangen von der Produktion über die Lebensphasen der Kunststoffprodukte bis hin zum Sammeln, Sortieren, Recyceln und der anschließenden Rückführung in die Produktion. Das zweite Ziel ist es, diesen Kreislauf für die Besucher erlebbar zu machen. Dazu arbeiten wir an Ort und Stelle mit Partnern aus der gesamten Kunststoff-Wertschöpfungskette zusammen, mit Erzeugern, Verarbeitern, Verwertern. Wir zeigen, wie ein geschlossener Kreislauf abläuft. Auf der K 2019 soll deutlich werden, dass sich die Kunststoffindustrie um die Abfallproblematik kümmert und dass sie bereits funktionierende Lösungsvorschläge hat.

Was sind bei der praktischen Umsetzung der Kreislaufwirtschaft die größten Herausforderungen?

Thorsten Kühmann: Es gibt mehrere Herausforderungen. Ganz wichtig ist: Kreisläufe können nur dann gut funktionieren, wenn sie wirtschaftlich sind. Derzeit setzen viele Kunststoffverarbeiter eher Neuware ein als Rezyklate, ganz einfach, weil Neuware günstiger ist. Denn am Ende entscheidet sich der Verbraucher im Supermarkt in der Regel für das günstigere Produkt. Wer Rezyklate verwendet, hätte das Nachsehen, weil seine Produkte teurer wären und in den Regalen liegenblieben. Um die Verwendung von Rezyklaten zu erhöhen, braucht man feste Quoten, damit alle dieselben Ausgangsvoraussetzungen haben. Solche Quoten sieht auch die Kunststoff-Richtlinie der EU vor. Man braucht also ein neues Geschäftsmodell.

Die andere Herausforderung ist, für Rezyklate verbindliche Qualitäts-Standards zu schaffen. Die gibt es bislang nicht und deshalb weiß derjenige, der Rezyklate einsetzt, nie genau, welche Qualität er bekommt. Dadurch werden die Prozesse unsicherer, denn man kann bei Schwankungen der Materialqualität die Produktion nicht so verlässlich steuern, wie mit standardisierter Neuware. Rezyklate wären viel leichter zu akzeptieren, wenn sie standardisiert würden.

Und schließlich gibt es ein Mengenproblem. Wer heute bereit ist, ein Rezyklat einzusetzen, weiß nicht, ob er die benötigten Mengen über einen längeren Zeitraum von ein paar Jahren auch tatsächlich bekommen kann.

Ist technologisch schon alles machbar, was es für die Kreislaufwirtschaft braucht?

Thorsten Kühmann: Es gibt noch offene Fragen, die geklärt werden müssen. Aber für die Standardprozesse, wie das Sortieren, Zerkleinern und Rezyklieren gibt es schon technologische Lösungen. Dort wird es mit Sicherheit auch Verbesserungen geben. Die Technik ist bei der Kunststoff-Kreislaufwirtschaft nicht das Hauptproblem. 

Welche Rolle kommt dem Produktdesign zu?

Thorsten Kühmann: Das Produktdesign muss in der Kreislaufwirtschaft anders gedacht werden. Bislang folgen Produkte zwar auch einem Design, aber da geht es nur um Funktionalität und letztlich um Aussehen. Es gibt keine Verpflichtung und keine durchgängige Praxis für ein vernünftiges Ökodesign. Eigentlich müssten alle Produkte, auch Kunststoffprodukte, auf ihre Kreislauffähigkeit überprüft werden. Das passiert im Moment noch nicht. Weder ist es bislang eine Auflage, noch ist es eine durchgängige Praxis. Es würde natürlich helfen, wenn man von vorne herein Produkte so designt, dass sie kreislauffähig sind.

Europa ist nur für einen kleinen Bruchteil des Plastikmülls in den Ozeanen verantwortlich. Macht es da überhaupt einen Unterschied, wenn hier konsequent auf Kreislaufwirtschaft gesetzt wird?

Thorsten Kühmann: Das Bewusstsein für die Müllproblematik auf den Weltmeeren ist in Europa besonders hoch. In der Folge leidet das Image von Kunststoff, besonders in Deutschland. Das Helmholtz Zentrum für Umweltforschung hat zwar herausgefunden, dass 90 Prozent der jährlichen Meeresverschmutzung durch Plastik aus 10 Flüssen in Asien und Afrika verursacht wird. Aber das Problem betrifft uns alle. Man denke nur an Mikroplastik in Fischen. Deshalb sind die Menschen hier besorgt. Eine Kreislaufwirtschaft in Europa heißt, mit gutem Beispiel vorangehen. Wir können anderen Ländern zeigen, wie es geht und dass es funktioniert. Das Hauptproblem ist meist eine fehlende oder unzureichende Abfallwirtschaft. Ohne eine Abfallwirtschaft kann es aber keinen Kreislauf geben. Wir haben ein Interesse daran, dass unsere Systeme weltweit adaptiert werden. Nicht unbedingt eins-zu-eins, aber als Orientierung. Deshalb zeigen wir sie auf der K 2019 und deshalb ist es auch gut, in Europa voranzugehen. Die Aufgabe ist sehr komplex. Auch wir haben Jahre dafür gebraucht, dahin zu kommen, wo wir jetzt stehen. So viel Zeit haben andere Regionen nicht. Das muss jetzt schnell gehen und da kann man eben von denen lernen, die es schon machen.

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Kunststoffe sind in unserer Welt unverzichtbar. Die Schattenseite sind die nicht gesammelten Abfälle, die Land und Meere verschmutzen. Eine lückenlose Kreislaufwirtschaft kann das verhindern und den Wert des Materials Kunststoff wieder in den Blick rücken. Damit das gelingt, müssen alle Partner in der Kunststoffindustrie zusammenarbeiten, aber auch Markenartikler Endverbraucher und die Politik sind gefragt.

Der VDMA stellt die Kreislaufwirtschaft auf der Leitmesse K im Oktober in Düsseldorf in den Vordergrund und zeigt dort, wie ein solcher Kreislauf funktionieren kann. In einer Interviewserie im Vorfeld des internationalen Branchentreffens kommen die Stakeholder in diesem Prozess zu Wort.



Publication date: 27/05/2019

Plastics and Rubber Machinery - VDMA

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Last update: 2019-10-22